Inhalt9 Abschnitte
- 01Was muss ein Lead-Scoring-Modell leisten, bevor Sie es bauen?
- 02Welche Kriterien gehören ins Modell?
- 03Wie vergeben Sie Punkte und setzen die Schwelle?
- 04Wie testen Sie das Modell an vergangenen Abschlüssen?
- 05Warum gehört ein Anruf zwischen Score und Termin?
- 06Welche Fehler machen die meisten Modelle kaputt?
- 07Wie halten Sie das Modell aktuell?
- 08Wann passt ein Lead Scoring nicht?
- 09Was ist der nächste Schritt?
Was muss ein Lead-Scoring-Modell leisten, bevor Sie es bauen?
Ein Modell muss entscheiden, wen Ihr Vertrieb zuerst anruft. Es muss nicht vorhersagen, wer kauft. Wer das Modell mit dieser kleineren Aufgabe belastet, baut es klarer, testet es leichter und streitet seltener über einzelne Punkte.
Das Lead Scoring ordnet Leads nach Daten, die Sie schon haben, und legt eine Reihenfolge fest. Drei Voraussetzungen entscheiden, ob sich der Aufwand lohnt. Erstens treffen mehr Leads ein, als Ihr Vertrieb in einem Werktag anrufen kann. Als Faustregel dieser Seite liegt die Grenze bei etwa 50 Leads im Monat pro Anrufer, keine Studie. Zweitens kennen Sie die Abschlüsse der letzten Monate mit Herkunft und Rolle des Kontakts. Drittens gibt es eine Person, die das Modell pflegt und bei Streit entscheidet.
Fehlt eine der drei, starten Sie ohne Modell. Rufen Sie jeden Lead an, protokollieren Sie den Ausgang und bauen Sie das Modell nach drei Monaten aus den eigenen Daten. Ein Modell aus fremden Beispielen, die nicht zu Ihrer Zielgruppe passen, sortiert zuverlässig, aber falsch.
Welche Kriterien gehören ins Modell?
Ins Modell gehören zwei Gruppen: Passung und Interesse. Die Passung sagt, ob der Kontakt zu Ihrer Zielgruppe gehört. Das Interesse sagt, ob er gerade etwas getan hat, das auf einen Anlass hindeutet. Beide Gruppen bekommen bis zu 50 Punkte, damit ein Lead nur mit beiden Seiten an die Schwelle kommt.
| Gruppe | Kriterium | Punkte | Warum |
|---|---|---|---|
| Passung | Branche liegt in Ihrer Zielgruppe | 0 bis 15 | Außerhalb der Zielgruppe scheitert der Vertrieb an Referenzen und Wortlaut |
| Passung | Unternehmensgröße im Zielbereich | 0 bis 10 | Zu klein trägt den Auftragswert nicht, zu groß braucht andere Wege |
| Passung | Rolle des Kontakts (Entscheider, Mitentscheider, Sachbearbeiter) | 0 bis 15 | Der Entscheider spart zwei Gesprächsrunden |
| Passung | Region im Einzugsgebiet des Außendiensts | 0 bis 10 | Ein Termin in der falschen Tour kostet Fahrzeit |
| Interesse | Direkte Anfrage oder Rückrufwunsch | 0 bis 20 | Der Kontakt hat selbst gehandelt |
| Interesse | Preis-, Kontakt- oder Vergleichsseite besucht | 0 bis 15 | Zeigt, dass der Kontakt eine Entscheidung vorbereitet |
| Interesse | Inhalt geladen oder Termin angefragt | 0 bis 10 | Schwächeres Signal als die direkte Anfrage |
| Interesse | Letzte Aktivität innerhalb von 14 Tagen | 0 bis 5 | Alte Signale verlieren schnell an Wert |
Die Punkte sind Startwerte. Sie stammen nicht aus einer Messung, sondern aus der Erfahrung mit Telefonprojekten, und Ihr Test an vergangenen Abschlüssen korrigiert sie. Ziehen Sie zusätzlich Minuspunkte ab, wenn ein Merkmal gegen den Anruf spricht: ein Mitbewerber als Absender, eine private E-Mail-Adresse, eine Anfrage nach Stellen oder Praktika, ein Unternehmen, das schon Kunde ist. Ein Lead mit minus 20 Punkten bekommt keinen Anruf, sondern eine Kennzeichnung für die Pflege.
Prüfen Sie jedes Kriterium mit drei Fragen. Haben Sie die Daten für fast alle Ihre Leads? Trennt das Kriterium Kunden von Nichtkunden, wenn Sie in die Vergangenheit schauen? Versteht Ihr Vertrieb den Zusammenhang in einem Satz? Antwortet eine Frage mit Nein, streichen Sie das Kriterium oder vertagen Sie es. Das Raster nutzt bewusst nur Merkmale, die Sie ohne Software erheben: Das Formular, der Absender und der Verlauf Ihrer Website reichen.
Wie vergeben Sie Punkte und setzen die Schwelle?
Sie vergeben die Punkte aus Ihren Abschlüssen und setzen die Schwelle dort, wo die meisten Abschlüsse über der Linie liegen und möglichst wenige Leads. Die Rechnung dafür passt auf ein Blatt. Der Startwert von 60 von 100 Punkten ist ein Ausgangspunkt, den der Test im nächsten Abschnitt bestätigt oder verschiebt. Die Vorlage unten nimmt Ihre Werte aus der Tabelle oben auf.
Lead: [Name, Firma, Eingang am TT.MM.JJJJ] Passung: Branche [Punkte] + Größe [Punkte] + Rolle [Punkte] + Region [Punkte] = [Summe, höchstens Obergrenze] Interesse: Anfrage [Punkte] + Seitenbesuch [Punkte] + Inhalt [Punkte] + Aktualität [Punkte] = [Summe, höchstens Obergrenze] Minuspunkte: [Grund] = [minus Punkte] Gesamt: [Passung + Interesse - Minuspunkte] Entscheidung: ab [Schwelle oben] Punkten Anruf binnen eines Werktags, ab [Schwelle Mitte] Wiedervorlage in [Tage] Tagen, darunter Pflegeliste
Legen Sie drei Bänder fest. Das obere Band bekommt den Anruf am selben Tag, das mittlere Band eine Wiedervorlage und das untere Band die Pflegeliste mit E-Mail, soweit die Einwilligung vorliegt. Das mittlere Band verhindert, dass ein Lead mit 55 Punkten und einer neuen Anfrage morgen verschwindet. Sie setzen dafür eine Wiedervorlage mit Datum und Grund und schauen nach 14 Tagen, ob sich der Score geändert hat.
Der Kern der Schwelle ist ein Zielkonflikt. Eine hohe Schwelle schützt die Zeit des Vertriebs, verliert aber Abschlüsse, die knapp darunter lagen. Eine niedrige Schwelle verliert nichts, filtert aber nichts. Entscheiden Sie nach Kapazität: Rufen Sie so viele Leads an, wie Ihr Team in einem Werktag schafft, und legen Sie die Schwelle auf den Wert, der diese Zahl trifft.
Wie testen Sie das Modell an vergangenen Abschlüssen?
Sie testen es rückwärts: Nehmen Sie mindestens 40 Leads mit bekanntem Ausgang, bewerten Sie jeden nach dem Raster, ohne das Ergebnis zu kennen, und zählen Sie, wie viele Abschlüsse über der Schwelle liegen. Die Größe von 40 ist eine Festlegung dieser Seite. Sie genügt, um grobe Fehler zu sehen, nicht, um feine Unterschiede zu messen.
Gehen Sie in sechs Schritten vor:
- Ziehen Sie 40 Leads der letzten zwölf Monate aus Ihrer Kundenverwaltung, darunter alle Abschlüsse und eine gleich große Zahl verlorener oder unbearbeiteter Leads.
- Verdecken Sie den Ausgang in der Tabelle, damit die Bewertung nicht davon abhängt.
- Bewerten Sie jeden Lead nach dem Raster. Wo Daten fehlen, geben Sie null Punkte.
- Sortieren Sie nach Punkten und decken Sie den Ausgang auf.
- Zählen Sie, wie viele Abschlüsse im oberen Band, im mittleren Band und im unteren Band liegen.
- Passen Sie Schwelle und Punkte an, bis höchstens ein Zehntel der Abschlüsse im unteren Band liegt.
| Band | Leads | Abschlüsse | Anteil der Abschlüsse |
|---|---|---|---|
| Oben (60 bis 100) | 14 | 8 | 80 Prozent |
| Mitte (40 bis 59) | 12 | 2 | 20 Prozent |
| Unten (unter 40) | 14 | 0 | 0 Prozent |
In einem Projekt für einen Hersteller von Gebäudetechnik hatte der Vertrieb ein Modell mit zwölf Kriterien aus einem Vorlagenpaket übernommen. Im Rückwärtstest mit 40 Leads lagen 6 der 10 Abschlüsse unter der Schwelle, weil das Modell die Rolle zu gering und den Seitenbesuch zu hoch wertete. Nach der Umstellung auf acht Kriterien mit höherem Gewicht für die Rolle lagen noch 1 von 10 Abschlüssen unter der Schwelle. Der Test hatte zwei Stunden gedauert und einen Fehler offengelegt, der monatelang Anrufe fehlgeleitet hätte.
Warum gehört ein Anruf zwischen Score und Termin?
Weil der Score nur Daten bewertet, nicht das Gespräch. Ein Lead mit 85 Punkten kann den Entscheider nicht erreichen, den Anlass verpasst haben oder nur Informationen sammeln. Der Anruf klärt das in drei Minuten, und der Kaufcheck macht daraus eine Entscheidung: Kaufinteresse, Kaufbedarf, Entscheider und Zeitpunkt.
Das Modell und der Anruf teilen sich die Arbeit. Das Scoring bestimmt die Reihenfolge, das Telefon prüft die Wahrheit. Wer beides trennt, kann beides prüfen: Das Scoring misst er an Abschlüssen, das Telefon an der Quote vom Anruf zum Termin. Wer sie vermischt, weiß bei schlechten Zahlen nicht, ob die Punkte oder die Gespräche versagen. Die Leadqualifizierung liefert dafür das Raster. Ein anderes Raster aus der Praxis ist BANT. Wer Marketing und Vertrieb trennt, kennt zudem den Unterschied zwischen MQL (Marketing Qualified Lead) und SQL (Sales Qualified Lead): Das Scoring entscheidet, wann ein Marketing-Lead zum Sales-Lead aufsteigt.
In einem Projekt für einen Anbieter von Betriebssoftware ging jeder Lead ab 70 Punkten direkt an den Außendienst. Von 30 solchen Leads im Quartal brachten 9 einen Termin. Nach der Umstellung rief ein Telefonteam zuerst an und führte den Kaufcheck. Von denselben 30 Leads kamen 21 ans Telefon, 12 bestanden den Kaufcheck, und der Außendienst hatte zwölf Termine statt neun, weil die Anrufer auch Kontakte erreichten, die nicht auf E-Mails reagiert hatten. Die Punktzahl hatte die Reihenfolge verbessert, der Anruf hatte die Zahl der Termine erhöht.
Genau diese Ebene liefert KRAUSS: Telefonteam, Kaufcheck und Terminbestätigung zwischen Ihrem Lead und dem Außendienst. Wir bewerten dabei nicht mit Punkten, sondern im Gespräch, und bestätigen jeden Termin doppelt (KRAUSS GmbH, Stand 10/2026). Ihr Scoring und unser Anruf ergänzen sich: Sie sortieren, wir prüfen. Mehr dazu auf der Seite zur Lead-Qualifizierung.
Welche Fehler machen die meisten Modelle kaputt?
Vier Fehler zerstören die meisten Modelle, und alle vier lassen sich vor dem Start vermeiden.
- 01
Klicks und Öffnungen als Kaufsignal zählen.
Folge: Der Vertrieb ruft Leser an, die nie kaufen, und verliert das Vertrauen in die Punkte.
Besser: Verhalten nur zählen, wenn es nach einem Kauf bei früheren Kunden häufiger auftrat.
- 02
Das Modell am Schreibtisch bauen und nie mit Abschlüssen vergleichen.
Folge: Die Punkte spiegeln Vermutungen, und die Rangfolge bringt keinen Vorteil gegenüber dem Zufall.
Besser: Mit 40 vergangenen Leads rückwärts testen, bevor ein Anruf nach Punkten läuft.
- 03
Zu viele Kriterien vergeben.
Folge: Niemand versteht, warum ein Lead 72 Punkte hat, und der Vertrieb ignoriert die Zahl.
Besser: Mit sechs bis acht Kriterien starten und jedes Kriterium in einem Satz erklären.
- 04
Den Score als Termin behandeln.
Folge: Ein Lead mit 90 Punkten, aber ohne Entscheider und ohne Anlass, landet beim Außendienst.
Besser: Nach dem Score anrufen und den Kaufcheck am Telefon abwarten.
Ein fünfter Fehler liegt hinter den vier: Niemand besitzt das Modell. Legen Sie eine Person fest, die Änderungen freigibt, das Quartalsblatt führt und dem Vertrieb erklärt, warum sich ein Wert geändert hat. Ohne Besitzer driftet das Modell, und der Vertrieb ruft nach Gefühl an, wie vorher.
Wie halten Sie das Modell aktuell?
Sie halten es aktuell mit einer Prüfung im Quartal, einem Verfall für alte Signale und einer Änderungsliste. Die Prüfung dauert eine Stunde und läuft nach festem Muster.
- Abschlüsse und verlorene Chancen des Quartals neben die Punkte legen.
- Das Kriterium suchen, das am wenigsten zwischen Abschluss und Verlust trennt.
- Höchstens zwei Kriterien ändern oder streichen und die Änderung mit Datum notieren.
- Die Schwelle an der Kapazität des Vertriebs prüfen.
- Dem Vertrieb in einem Absatz sagen, was sich ändert und warum.
Der Verfall ist die zweite Pflicht. Ein Besuch der Preisseite vor drei Monaten sagt wenig über heute. Ziehen Sie die Interessepunkte nach 14 Tagen ohne neue Aktivität ab, etwa um die Hälfte, und nach 60 Tagen auf null. Die Zahlen sind Startwerte, die der Quartalstest prüft. Notieren Sie zudem, wenn sich Ihr Angebot oder Ihre Zielgruppe ändert: Ein neues Produkt verschiebt, wer passt, und mit ihm die Punkte der Passung.
Wann passt ein Lead Scoring nicht?
Ein Scoring passt nicht, wenn es keine Rangfolge braucht oder keine Daten für sie hat. Dann kostet das Modell mehr, als es einspart.
- Wenn bei Ihnen weniger als etwa 50 Leads im Monat eintreffen, kostet das Modell mehr Pflege, als es bringt. Rufen Sie jeden Lead binnen eines Werktags an.
- Wenn Ihr Vertrieb ohnehin alle Leads bearbeiten kann, ändert die Rangfolge nichts. Die Zeit fließt besser in Gesprächsqualität.
- Wenn Sie keine Abschlüsse der letzten zwölf Monate mit Herkunft und Rolle des Kontakts kennen, fehlt der Maßstab. Erfassen Sie zuerst, woher Ihre Kunden kamen.
Eine schnelle Probe: Bearbeitet Ihr Vertrieb heute alle Leads innerhalb eines Werktags? Dann bringt die Rangfolge nichts. Bleiben Leads liegen, weil das Team überlastet ist, hilft ein Modell, aber nur, wenn die Ursache die Menge ist und nicht die Disziplin. Eine Frist für den ersten Rückruf und ein Prozess für die Wiedervorlage kosten weniger und bringen oft mehr. Beides beschreibt das Lead Management.
Was ist der nächste Schritt?
Der nächste Schritt ist der Testsatz: Ziehen Sie diese Woche 40 Leads mit bekanntem Ausgang aus Ihrer Kundenverwaltung und bewerten Sie sie nach dem Raster oben. Dauer: zwei Stunden. Danach wissen Sie, ob Ihre Punkte trennen.
Die Telefonakquise von KRAUSS beschreibt Ablauf und Leistung, die Methode zeigt, wie aus einem Anruf ein bestätigter Termin wird. Wie Marketing die Leads nach dem Score an den Vertrieb übergibt, steht im Leitfaden zur Lead-Übergabe von Marketing an Vertrieb. Den Preis einer Terminierung mit Ihren Zahlen konfigurieren Sie im Angebotskonfigurator, und ein Gespräch mit Jesse Klotz dauert 15 Minuten.
Vom Wissen zum Termin
Was kostet das in Ihrem Markt?
Der Preis richtet sich nach Zielmarkt, Erreichbarkeit und Terminmenge. Wenn das Gespräch sitzt, führen wir es für Sie. Das Testprojekt prüft an echten Terminen, was Ihre Zielgruppe hergibt. Den Umfang legen Sie im 15-Minuten-Gespräch fest.









