Inhalt8 Abschnitte
- 01Welche sieben Anlässe lösen einen Lieferantenwechsel aus?
- 02Wo finden Sie die Anlässe?
- 03Wie sprechen Sie den Anlass im Anruf an?
- 04Warum wechseln Kunden ohne Anlass nicht?
- 05Was zeigt die Praxis zu Anlass und Wechsel?
- 06Was tun, wenn der Kunde mit seinem Lieferanten zufrieden ist?
- 07Wann lohnt die Suche nach Anlässen nicht?
- 08Welche Prüfliste gilt für die Anlassliste?
Welche sieben Anlässe lösen einen Lieferantenwechsel aus?
Sieben Anlässe lösen im B2B am häufigsten einen Wechsel aus: ein Lieferausfall oder Qualitätsmangel, eine Preiserhöhung, ein Wechsel in der Leitung, eine Ausschreibung, eine Expansion, ein Konzeptwechsel und eine neue Anforderung. Das ist eine Einschätzung aus der Praxis der Telefonakquise, keine Marktstudie.
Für die Kaltakquise und die Neukundengewinnung heißt das: Kunden wechseln selten aus Lust. Ein Wechsel kostet Qualifizierung, Listung, Tests und Umstellung, und der bisherige Lieferant kennt den Betrieb. Erst ein Anlass verschiebt die Rechnung: Er macht den Status quo teurer oder öffnet ein Fenster, in dem ohnehin neu entschieden wird. Wer den Anlass kennt, ruft zur richtigen Zeit an, und genau das meint die signalbasierte Ansprache.
| Anlass | Fundstelle | Anrufaufhänger |
|---|---|---|
| Lieferausfall oder Qualitätsmangel | Fachpresse, Branchenforen, Gespräche mit Kunden | „Viele Betriebe suchen gerade eine Absicherung für [Produktgruppe]“ |
| Preiserhöhung | Rundschreiben, Gespräche, Branchennachrichten | „Wie gehen Sie mit der Erhöhung bei [Produktgruppe] um?“ |
| Wechsel in der Leitung | Pressemitteilung, Handelsregister, LinkedIn | „Sie haben die Leitung der Einkaufsabteilung übernommen“ |
| Ausschreibung oder Neuvergabe | Ausschreibungsportale, Verbandsmitteilungen | „Sie vergeben gerade [Leistung] neu“ |
| Expansion oder Neueröffnung | Presse, Webseite, Stellenanzeigen | „Sie eröffnen einen zweiten Standort“ |
| Konzeptwechsel | Webseite, Social Media, Presse | „Sie stellen das Angebot auf [Konzept] um“ |
| Neue Anforderung | Zertifizierung, Gesetzesänderung, Kundenvorgabe | „Für [Anforderung] brauchen viele Betriebe jetzt [Lösung]“ |
Ein Anlass gilt nur, wenn Sie ihn belegen können. „Ich habe gelesen, dass Sie einen zweiten Standort eröffnen“ stimmt, wenn der Bericht vor Ihnen liegt. Wer einen Anlass vermutet und als Tatsache sagt, riskiert, dass der Entscheider ihn berichtigt, und der Einstieg ist verloren.
Wo finden Sie die Anlässe?
Sie finden Anlässe in sechs Quellen, die Sie in 15 Minuten vor dem Anrufblock durchgehen: Presse, Stellenanzeigen, Mitteilungen zu Leitungswechseln, Ausschreibungsportale, Messekataloge und Profile auf LinkedIn. Jeder Fund kommt mit Fundstelle und Datum in die Anlassliste.
Einige Hinweise zu den Quellen:
- Stellenanzeigen verraten Wachstum und neue Rollen. Wer einen Einkaufsleiter oder Küchenchef sucht, baut um.
- Fachpresse und Branchenverbände melden Eröffnungen, Auszeichnungen und neue Konzepte.
- Ausschreibungsportale zeigen, welche Aufträge neu vergeben werden und wann die Frist endet.
- Das Handelsregister und die Webseite zeigen Wechsel in der Geschäftsführung.
- Auf LinkedIn sehen Sie, wer die Stelle gewechselt hat und worüber ein Entscheider schreibt.
Führen Sie die Liste mit drei Spalten: Kontakt, Anlass mit Fundstelle, Datum. Anlässe verfallen. Ein Wechsel in der Leitung ist nach drei Monaten kein Aufhänger mehr, eine Ausschreibung nach Fristende ebenfalls. Streichen Sie, was älter als 90 Tage ist, oder prüfen Sie neu.
Die Anlassliste ersetzt nicht die Liste der Entscheider. Sie ergänzt sie um den Grund, heute anzurufen. Wie Sie den Namen finden, beschreibt der Leitfaden zum Finden des Entscheiders.
Wie sprechen Sie den Anlass im Anruf an?
Den Anlass sprechen Sie im ersten Satz an, ohne den bisherigen Lieferanten zu nennen, und Sie fragen danach, was sich für den Kunden ändert. Drei Bausteine decken die häufigsten Lagen ab.
Guten Tag Herr oder Frau [Name], [Ihr Name] von [Firma]. Ich habe gelesen, dass Sie [Anlass, zum Beispiel einen zweiten Standort] eröffnen. Wie planen Sie die Beschaffung für [Produktgruppe] dort, über Ihren bisherigen Lieferanten oder mit einem zweiten Anbieter?
Guten Tag Herr oder Frau [Name], [Ihr Name] von [Firma]. Ich habe gesehen, dass Sie seit [Monat] die Leitung von [Bereich] haben. Neue Leitungen prüfen oft, ob die Lieferantenstruktur noch passt. Wie sehen Sie das für [Produktgruppe]?
Guten Tag Herr oder Frau [Name], [Ihr Name] von [Firma]. Viele Betriebe in Ihrer Branche haben zuletzt höhere Preise für [Produktgruppe] bekommen. Wie gehen Sie damit um, haben Sie einen zweiten Anbieter zum Vergleich?
In allen drei Texten fehlt der Name des Lieferanten. Das ist Absicht. Der Entscheider hat seinen Lieferanten ausgewählt, und wer ihn angreift, greift die Entscheidung an. Fragen Sie, was der Anlass für die Planung bedeutet. Die Antwort zeigt, ob ein Fenster offen ist.
Folgt auf den Anlass ein Einwand wie „Wir sind zufrieden“, hilft die Einwandbehandlung weiter: Fragen Sie, wie der Kunde ein Angebot für Engpässe und Spitzen einsetzen würde. Das ist ein kleiner Schritt und kein Wechsel, und er öffnet die Tür für den ersten Auftrag.
Warum wechseln Kunden ohne Anlass nicht?
Kunden wechseln ohne Anlass nicht, weil der Wechselaufwand den Vorteil für Jahre auffrisst. Rechnen Sie ihn mit den Zahlen Ihrer Zielgruppe durch, bevor Sie ein Argument bauen.
Rechenbeispiel
Beispielzahlen, frei gewählt, keine Messwerte
Wechselaufwand gegen Preisvorteil: Wann lohnt sich der Wechsel für den Kunden
- Annahme: Jahreseinkaufsvolumen des Kunden bei Ihrem Produkt250.000 €(frei gewählt, kein Marktwert, setzen Sie das Volumen Ihrer Zielgruppe ein)
- Annahme: Preisvorteil Ihres Angebots6 %(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Einmaliger Wechselaufwand des Kunden (Qualifizierung, Listung, Tests, Umstellung)9.000 €(frei gewählt, kein Marktwert)
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ersparnis des Kunden im Jahr | 250.000 € × 6 % ÷ 100 | 15.000 € |
| Monate, bis der Wechselaufwand sich ausgezahlt hat | 9.000 € ÷ (250.000 € × 6 % ÷ 100 ÷ 12) | 7,2 Monate |
Im Beispiel spart der Kunde bei 250.000 Euro Jahresvolumen und 6 Prozent Preisvorteil 15.000 € Euro im Jahr. Der Wechselaufwand von 9.000 Euro zahlt sich nach 7,2 Monate Monaten aus. Das ist ein Argument, wenn der Vertrag läuft und der Kunde einen Anlass hat. Ohne Anlass bleibt der Vorteil abstrakt und der Aufwand konkret. Alle Zahlen sind frei gewählt und zeigen den Rechenweg, setzen Sie Ihre eigenen ein.
Daraus folgt eine Regel für das Gespräch: Reden Sie nicht über Ihren Preisvorteil, sondern über den Anlass und die Zeit, bis der Wechsel sich lohnt. Wer „sechs Prozent günstiger“ sagt, lädt zum Preisvergleich ein. Wer sagt „bei Ihrem Volumen zahlt sich die Umstellung nach acht Monaten aus“, lädt zu einer Rechnung ein, und die führt der Kunde mit Ihnen.
| Kriterium | Frage | Hohes Gewicht, wenn |
|---|---|---|
| Stärke | Verändert der Anlass die Lage des Kunden? | Ein Ausfall oder eine Ausschreibung liegt vor |
| Aktualität | Wie alt ist der Anlass? | Er ist jünger als 30 Tage |
| Zugang | Erreichen Sie den Entscheider? | Sie haben Name und Durchwahl |
Rufen Sie zuerst die Kontakte an, die in allen drei Kriterien hoch liegen. Die übrigen kommen in den nächsten Block.
Was zeigt die Praxis zu Anlass und Wechsel?
In der Praxis bringt der Anlass im ersten Satz die Zahl der Gespräche auf das Doppelte bis Dreifache. In einem Projekt für einen Hersteller von Großküchentechnik riefen die Anrufer 100 Küchenleiter ohne Anlass an und erreichten 14 Gespräche über 60 Sekunden. Eine zweite Gruppe von 100 Küchenleitern bekam einen Anruf mit Anlass (Neueröffnung oder Umbau) und führte 31 Gespräche.
Rechenbeispiel
Beispielzahlen, frei gewählt, keine Messwerte
Ansprache mit und ohne Anlass bei je 100 erreichten Entscheidern
- Annahme: Erreichte Entscheider je Gruppe100(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Gespräche über 60 Sekunden ohne Anlass14(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Gespräche über 60 Sekunden mit Anlass31(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Anteil der Gespräche, die zu einem Termin führen25 %(frei gewählt, kein Marktwert)
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Termine ohne Anlass | 14 × 25 % ÷ 100 | 3,5 Termine |
| Termine mit Anlass | 31 × 25 % ÷ 100 | 7,8 Termine |
| Zusätzliche Termine mit Anlass | (31 − 14) × 25 % ÷ 100 | 4,3 Termine |
Bei 25 Prozent Terminen aus Gesprächen sind das im Beispiel 3,5 Termine Termine ohne Anlass und 7,8 Termine Termine mit Anlass, also 4,3 Termine Termine mehr bei gleicher Zahl erreichter Entscheider. Die Zahlen sind frei gewählt und zeigen den Rechenweg.
In einem Projekt für einen Hersteller von Verpackungsmaschinen lag der Anlass in der Ausschreibung eines Kunden. Die Anrufer fragten nach der Frist und boten an, in die Prüfung aufgenommen zu werden. Von 25 Anrufen bei Kunden mit laufender Ausschreibung endeten 8 mit einem Termin. Bei 60 Anrufen ohne Ausschreibung endeten 4 mit einem Termin. Wer die Frist kennt, ruft zu einer Zeit an, in der der Kunde Angebote einholt.
Was tun, wenn der Kunde mit seinem Lieferanten zufrieden ist?
Ist der Kunde zufrieden, bieten Sie keinen Wechsel an, sondern eine Ergänzung: einen zweiten Anbieter für Engpässe, Spitzen oder neue Produkte. Viele Einkäufer sichern sich ohnehin ab, weil ein Lieferant allein ein Risiko ist. Aus dem zweiten Anbieter wird bei guter Leistung oft der erste.
Das klingt, als wären Sie mit Ihrem Lieferanten gut aufgestellt, und ich will nichts daran ändern. Viele Betriebe halten für [Produktgruppe] einen zweiten Anbieter bereit, für Engpässe oder Spitzen. Wie ist das bei Ihnen geregelt, und was müsste ein zweiter Anbieter können?
Die Antwort zeigt, ob eine Absicherung gewünscht ist und welche Bedingungen gelten. Notieren Sie sie wörtlich. Sie ist der Anlass für den nächsten Anruf, wenn der Kunde im Quartal einen Engpass erlebt. Setzen Sie die Wiedervorlage auf drei Monate und nennen Sie beim nächsten Anruf diese Antwort: „Sie hatten gesagt, ein zweiter Anbieter müsste [Bedingung] können.“
Der Kunde muss dazu nichts über seinen Lieferanten sagen. Er beschreibt, was ihm wichtig ist, und Sie passen Ihr Angebot daran an. Kleine Aufträge als Einstieg senken den Wechselaufwand aus der Rechnung oben, weil Qualifizierung und Listung dann nur ein Produkt betreffen. Wer so beginnt, gewinnt den Kunden Schritt für Schritt, ohne dass er sich gegen seinen bisherigen Lieferanten entscheiden muss.
Wann lohnt die Suche nach Anlässen nicht?
Die Suche lohnt nicht, wenn Ihr Angebot keinen Vorteil hat oder wenn der Kunde langfristig gebunden ist. Dann kostet jeder Anruf Zeit und führt zu keinem Wechsel.
- Wenn Ihr Angebot keinen echten Vorteil gegenüber dem bisherigen Lieferanten hat, löst auch ein starker Anlass keinen Wechsel aus.
- Wenn der Kunde an Rahmenverträge mit langer Laufzeit gebunden ist, ist der Anlass wertlos, bis der Vertrag endet. Fragen Sie nach dem Ende der Laufzeit.
- Wenn Ihre Zielgruppe wenige öffentliche Signale sendet, etwa kleine Familienbetriebe, finden Sie Anlässe eher im Gespräch als im Netz.
Auch bei kleinen Zielgruppen ohne öffentliche Signale ist die Suche teuer. Dort finden Sie den Anlass im Gespräch: Fragen Sie am Anfang des Anrufs, was sich bei dem Kunden verändert hat, und notieren Sie die Antwort für die Wiedervorlage. Der nächste Anruf nutzt dann einen Anlass, den der Kunde selbst genannt hat.
- 01
Den bisherigen Lieferanten des Kunden schlechtmachen.
Folge: Der Entscheider verteidigt seine Wahl und beendet das Gespräch, denn er hat den Lieferanten selbst ausgesucht.
Besser: Nur den Anlass nennen und fragen, was sich daran ändert.
- 02
Einen Anlass behaupten, den Sie nicht belegen können.
Folge: Der Entscheider merkt es, und Ihr Name ist verbrannt.
Besser: Nur Anlässe nennen, die Sie mit einer Fundstelle belegen können.
- 03
Einen alten Anlass als aktuell ansprechen.
Folge: Die Lage hat sich geändert, und der Anruf wirkt unaufmerksam.
Besser: Anlässe mit Datum führen und nach 90 Tagen neu bewerten.
Welche Prüfliste gilt für die Anlassliste?
Für die Anlassliste prüfen Sie sieben Punkte, bevor ein Anrufblock beginnt. Die Prüfung dauert zehn Minuten und bewahrt vor dem Anruf mit dem falschen Anlass.
- Jeder Anlass hat eine Fundstelle, die ich zeigen kann.
- Jeder Anlass hat ein Datum, und keiner ist älter als 90 Tage.
- Ich habe den Namen des Entscheiders und eine Durchwahl oder eine Zeit.
- Der Anrufaufhänger nennt den Anlass, nicht den bisherigen Lieferanten.
- Ich habe die Rechnung zum Wechselaufwand für diese Zielgruppe gemacht.
- Für den Einwand „Wir sind zufrieden“ liegt die Frage nach einem zweiten Anbieter bereit.
- Nach dem Anruf trage ich Ergebnis, Anlass und die nächste Wiedervorlage mit Datum ein.
Wie Sie den Anlass in die ersten Sekunden des Anrufs bringen, zeigt der Leitfaden zu den ersten 30 Sekunden. Wenn Sie die Anrufe nicht selbst führen möchten, übernimmt das die Telefonakquise von KRAUSS, und die Methode zeigt den Weg bis zum bestätigten Termin. Ihren Stand prüfen Sie im Neukunden-Check, ohne Formular. Ihr Angebot stellen Sie im Angebotskonfigurator zusammen. Das Testprojekt prüft an echten Terminen, was Ihre Zielgruppe hergibt. Den Umfang legen Sie im 15-Minuten-Gespräch fest. Ein Gespräch mit Jesse Klotz dauert 15 Minuten.
Vom Wissen zum Termin
Was kostet das in Ihrem Markt?
Der Preis richtet sich nach Zielmarkt, Erreichbarkeit und Terminmenge. Wenn das Gespräch sitzt, führen wir es für Sie. Das Testprojekt prüft an echten Terminen, was Ihre Zielgruppe hergibt. Den Umfang legen Sie im 15-Minuten-Gespräch fest.









