Inhalt9 Abschnitte
- 01Gibt es eine beste Anrufzeit im B2B?
- 02Welche Startannahmen gelten je Zielrolle?
- 03Wie führen Sie den Zeitfenster-Test durch?
- 04Wie werten Sie den Test aus?
- 05Wie wirkt die Anrufzeit in der Praxis?
- 06Wie oft und zu welcher Zeit rufen Sie dieselbe Person an?
- 07Was ändern Homeoffice, Schichtbetrieb und Zeitzonen?
- 08Wann bringt die Anrufzeit wenig?
- 09Welche Prüfliste gilt für Ihren Anrufplan?
Gibt es eine beste Anrufzeit im B2B?
Nein, eine einzige beste Anrufzeit gibt es nicht. Wann ein Entscheider ans Telefon geht, hängt von seiner Rolle ab, von seinem Betrieb und davon, wie sein Vorzimmer Anrufe filtert. Belegte Quoten für alle Branchen kennen wir nicht, und wir erfinden keine. Das Vorzimmer, in der Fachsprache der Gatekeeper, entscheidet oft mit, wann ein Anruf durchkommt.
Belegen lässt sich dagegen eine Methode: Sie legen zwei Zeitfenster fest, zählen in beiden gleich viele Wahlversuche und vergleichen, wie oft Sie den Entscheider selbst erreichen. Das dauert eine Woche und ersetzt jede Faustregel, auch die in diesem Text. Für die Erreichbarkeit Ihrer Zielgruppe zählt am Ende nur Ihre eigene Zahl.
Ein Wahlversuch zählt jedes Mal, wenn jemand eine Nummer wählt, auch wenn die Mailbox oder das Vorzimmer antwortet. Ein erreichter Entscheider ist der Mensch, der über Ihr Thema entscheidet und im Gespräch zuhört. Beide Zahlen brauchen Sie für den Vergleich.
Welche Startannahmen gelten je Zielrolle?
Als Startannahme gilt: Geschäftsführer erreichen Sie früh und spät, Fachbereichsleiter am Vormittag und Gastronomen zwischen Mittag- und Abendservice. Die Tabelle gibt Ihnen einen Ausgangspunkt für den Test, nicht das Ergebnis.
| Zielrolle | Startannahme für das Fenster | Begründung der Annahme |
|---|---|---|
| Geschäftsführer im Mittelstand | 7:30 bis 8:30 Uhr und 17:00 bis 18:00 Uhr | Das Vorzimmer ist noch nicht oder nicht mehr besetzt |
| Einkaufsleiter in der Industrie | Dienstag bis Donnerstag, 9:30 bis 11:00 Uhr | Nach der Wochenplanung am Montag, vor den Terminen am Nachmittag |
| Betriebsleiter Produktion | 6:30 bis 7:30 Uhr | Schichtbeginn, danach läuft er durch die Halle |
| Küchenchef in Hotel und Restaurant | 14:30 bis 16:00 Uhr | Zwischen Mittagsservice und Vorbereitung des Abends |
| Facility Manager | 9:00 bis 11:00 Uhr | Zwischen Begehungen und Besprechungen |
| Einkäufer im Handel | Dienstag bis Donnerstag vormittags | Montags Planung, freitags kurze Tage |
Die Begründung in der dritten Spalte zeigt, wie Sie auf Ihre eigene Zielrolle kommen: Fragen Sie nicht „Wann haben die Zeit?“, sondern „Wo steht diese Person um 8 Uhr, um 11 Uhr und um 16 Uhr?“ Wer in der Halle steht, nimmt keinen Anruf am Schreibtisch an. Wer im Hotelservice arbeitet, hört das Telefon zwischen zwei Schüben.
Wenn Sie die Rolle nicht einordnen können, rufen Sie die Zentrale an und fragen Sie nach der besten Erreichbarkeit. Die Antwort „Frau Meyer ist ab acht da“ ist ein Fenster, das Sie in keiner Studie finden. Das Vorgehen beschreibt der Leitfaden zum Vorzimmer.
Wie führen Sie den Zeitfenster-Test durch?
Sie führen den Test durch, indem Sie zwei Fenster festlegen, je 60 Wahlversuche zählen und nach jedem Block die erreichten Entscheider notieren. Der Aufwand liegt bei einer Woche, wenn Sie täglich eine Stunde telefonieren.
Gehen Sie in fünf Schritten vor:
- Wählen Sie eine Zielrolle und mindestens 120 Kontakte mit Durchwahl oder Namen.
- Teilen Sie die Liste zufällig in zwei Hälften, damit kein Fenster die besseren Kontakte bekommt.
- Rufen Sie Hälfte A nur im Fenster A an und Hälfte B nur im Fenster B.
- Notieren Sie nach jedem Versuch das Ergebnis in einem Wort: Entscheider, Vorzimmer, Mailbox, besetzt, falsche Nummer.
- Wiederholen Sie den Test eine Woche später mit getauschten Hälften, damit der Wochentag nicht das Ergebnis färbt.
Zielrolle: [Rolle] Woche: [KW] Fenster A: [von bis Uhr] Fenster B: [von bis Uhr] Zeile je Versuch: [Fenster] | [Wochentag] | [Name] | [Ergebnis in einem Wort] Auswertung: Wahlversuche [Zahl] | erreichte Entscheider [Zahl] | Quote [Prozent] Notiz: [Auffälligkeiten, zum Beispiel Mailbox ab 17 Uhr]
Die Zeile „Notiz“ liefert oft mehr als die Quote. Wer notiert, dass das Vorzimmer ab 17:30 Uhr nicht mehr besetzt ist, hat ein Fenster gefunden, das Sie in keiner Tabelle sehen.
Wie werten Sie den Test aus?
Sie werten den Test aus, indem Sie die erreichten Entscheider durch die Wahlversuche teilen, je Fenster. Der Unterschied zeigt sich in Gesprächen je Anruferstunde, denn die Stunde Ihres Teams ist das, was Sie bezahlen.
Rechenbeispiel
Beispielzahlen, frei gewählt, keine Messwerte
Zeitfenster-Test: Entscheider erreicht je Anruferstunde in zwei Fenstern
- Annahme: Wahlversuche je Zeitfenster im Test60(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Erreichte Entscheider im Fenster A (10 bis 12 Uhr)9(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Erreichte Entscheider im Fenster B (8 bis 9 Uhr)17(frei gewählt, kein Marktwert)
- Annahme: Wahlversuche je Anruferstunde30(frei gewählt, kein Marktwert)
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Erreichquote im Fenster A | 9 ÷ 60 × 100 | 15,0 % |
| Erreichquote im Fenster B | 17 ÷ 60 × 100 | 28,3 % |
| Gespräche mit Entscheidern je Anruferstunde im Fenster A | 30 × 9 ÷ 60 | 4,5 |
| Gespräche mit Entscheidern je Anruferstunde im Fenster B | 30 × 17 ÷ 60 | 8,5 |
| Mehr Gespräche je Anruferstunde im besseren Fenster | 30 × (17 − 9) ÷ 60 | 4,0 |
Im Beispiel liegt die Quote im Fenster A bei 15,0 % Prozent und im Fenster B bei 28,3 % Prozent. Bei 30 Wahlversuchen je Stunde führt das zu 4,5 Gesprächen mit Entscheidern im Fenster A und 8,5 im Fenster B, also 4,0 Gespräche mehr in derselben Zeit. Die Zahlen sind frei gewählt und zeigen den Rechenweg. Setzen Sie Ihre eigenen ein.
Zwei Grenzen gehören zur Auswertung. Erstens zeigt die Quote nur, wie oft Sie ans Ziel kommen, nicht wie gut das Gespräch läuft. Ein Entscheider, den Sie um 8 Uhr zwischen zwei Terminen erwischen, hört vielleicht nur 30 Sekunden zu. Zählen Sie darum zusätzlich die Termine je 100 Wahlversuche, die Terminquote. Zweitens braucht ein Unterschied von wenigen Gesprächen mehr Wiederholung, bevor Sie den Plan ändern.
Wie wirkt die Anrufzeit in der Praxis?
Die Anrufzeit verschiebt die Erreichquote in der Praxis um das Doppelte bis Dreifache, und zwar in jeder Branche in eine andere Richtung. In einem Projekt für einen Hersteller von Großküchentechnik riefen die Anrufer die Küchenleitungen von Hotels zunächst zwischen 10 und 12 Uhr an. Von 80 Wahlversuchen erreichten sie 6 Küchenleiter. Nach der Verlegung der Blöcke auf 14:30 bis 16:00 Uhr erreichten sie bei 80 Wahlversuchen 19 Küchenleiter. Die Liste und der Text blieben gleich, nur das Fenster änderte sich.
In einem Projekt für einen Anbieter von Prüftechnik für die Lebensmittelindustrie lagen die Fenster umgekehrt. Qualitätsleiter waren zwischen 8 und 9 Uhr am Platz, nach der Frühbesprechung. Von 60 Wahlversuchen in diesem Fenster führten 14 zu einem Gespräch, von 60 Versuchen zwischen 13 und 14 Uhr nur 7.
Beide Beispiele zeigen, dass dieselbe Regel in zwei Branchen in entgegengesetzte Richtungen führt. Eine Tabelle aus dem Netz hätte eine der beiden Gruppen in das falsche Fenster geschickt.
Wie oft und zu welcher Zeit rufen Sie dieselbe Person an?
Sie rufen dieselbe Person drei- bis fünfmal an, jedes Mal in einem anderen Fenster und an einem anderen Wochentag. Der zweite Versuch zur selben Uhrzeit trifft meist wieder dieselbe Besprechung.
| Versuch | Zeitpunkt | Ziel |
|---|---|---|
| 1 | Bestes Startfenster der Zielrolle | Entscheider erreichen |
| 2 | Anderer Wochentag, anderes Fenster | Den Namen des Vorzimmers und eine bessere Zeit notieren |
| 3 | Zur Zeit, die das Vorzimmer genannt hat | Entscheider erreichen |
| 4 | Drei Tage später, drittes Fenster | Mailbox nutzen oder Durchwahl erfragen |
| 5 | Eine Woche später | Letzter Versuch, danach Wiedervorlage |
In einem Projekt für einen Hersteller von Industriedichtungen erreichten die Anrufer beim ersten Versuch 18 von 100 Einkaufsleitern. Nach dem dritten Versuch in wechselnden Fenstern lag der Anteil der erreichten Einkaufsleiter bei 47 von 100, nach dem fünften bei 58 von 100. Der Zuwachs kam fast ganz aus den Versuchen, bei denen das Vorzimmer eine Zeit genannt hatte.
Setzen Sie nach dem letzten Versuch eine Wiedervorlage mit Datum und einem neuen Anlass. Ein Kontakt, der nach fünf Versuchen nicht abnimmt, braucht einen anderen Weg als den sechsten Anruf, zum Beispiel eine kurze Nachricht auf der Mailbox oder eine Mail mit einem konkreten Anlass.
Was ändern Homeoffice, Schichtbetrieb und Zeitzonen?
Homeoffice verschiebt die Fenster in Richtung der Mobilnummer, Schichtbetrieb in Richtung Schichtbeginn und Zeitzonen in Richtung der Bürozeit am Standort des Entscheiders. Drei Fragen helfen bei der Planung.
- Arbeitet die Zielrolle am Schreibtisch, in der Halle, beim Kunden oder unterwegs?
- Sitzt der Entscheider im Betrieb, den Sie anrufen, oder an einem anderen Standort, zum Beispiel in der Konzernzentrale?
- Beginnt die Schicht früher als das Büro?
Bei Standorten in anderen Zeitzonen rechnen Sie die Bürozeit am Standort des Entscheiders um und setzen die Fenster dorthin. Auch Feiertage unterscheiden sich je Bundesland. Ein Anruf am Brückentag trifft oft nur das Vorzimmer, und ein Anruf in der Woche der Betriebsferien trifft niemanden. Prüfen Sie die Termine der Zielbranche im Kalender, bevor Sie einen Block planen.
Wann bringt die Anrufzeit wenig?
Die Anrufzeit bringt wenig, wenn der Anruf an anderer Stelle scheitert: bei der Liste, beim Einstieg oder beim Vorzimmer. Dann verbessert ein neues Fenster die Quote kaum.
- Wenn Ihre Zielgruppe ohnehin den ganzen Tag am Platz sitzt, etwa in Innendiensten, bringt der Test kaum Unterschiede und kostet Zählaufwand.
- Wenn Sie weniger als 120 Anrufe im Monat führen, ist die Stichprobe zu klein, und Sie testen besser über mehrere Monate.
- Wenn Ihre Listen keine Durchwahlen enthalten, entscheidet das Vorzimmer über den Erfolg und nicht die Uhrzeit.
Prüfen Sie in dem Fall zuerst die Bausteine davor. Eine Liste ohne Durchwahlen löst der Leitfaden zum Finden des Entscheiders, den Einstieg der Gesprächsleitfaden für die Kaltakquise. Erst wenn beides trägt, lohnt sich der Zeitfenster-Test.
- 01
Die Anrufzeit nach dem eigenen Kalender wählen.
Folge: Der Anruf liegt dann, wenn Sie Zeit haben, und nicht, wenn der Entscheider am Platz sitzt.
Besser: Die Zeitfenster aus dem Tagesablauf der Zielrolle ableiten und im Test prüfen.
- 02
Nach einem Block mit zehn Anrufen das beste Fenster küren.
Folge: Zehn Anrufe zeigen Zufall und kein Muster, und Sie bauen den Plan auf einem schlechten Vormittag.
Besser: Je Fenster mindestens 60 Wahlversuche zählen, bevor Sie vergleichen.
- 03
Immer denselben Kontakt zur selben Uhrzeit anrufen.
Folge: Wer um 10 Uhr in der Besprechung sitzt, sitzt dort nächste Woche wieder.
Besser: Bei jedem Versuch Fenster und Wochentag wechseln.
Welche Prüfliste gilt für Ihren Anrufplan?
Für den Anrufplan prüfen Sie acht Punkte, bevor die erste Woche beginnt. Sie dauern zehn Minuten und sparen den Block mit dem falschen Fenster.
- Die Zielrolle ist festgelegt, und ich weiß, wo sie um 8, 11 und 16 Uhr arbeitet.
- Zwei Fenster stehen fest und stammen aus der Rolle, nicht aus meinem Kalender.
- Die Liste ist zufällig in zwei Hälften geteilt.
- Der Zählbogen liegt bereit und hat eine Zeile je Versuch.
- Jedes Fenster bekommt mindestens 60 Wahlversuche.
- Der Wiederholungsplan wechselt Fenster und Wochentag.
- Die Wiedervorlage nach dem letzten Versuch hat ein Datum.
- Ich werte nach der ersten Woche nur die Quote aus und ändere den Plan erst nach der zweiten.
Wie Sie den Anruf selbst vorbereiten, zeigt der Leitfaden Akquise-Anruf vorbereiten, und wie Sie ihn führen, der Gesprächsleitfaden. Wenn Sie die Anrufe nicht selbst führen möchten, übernimmt das die Telefonakquise von KRAUSS: Die Anrufzeiten legen wir im Briefing mit Ihnen fest, und die Methode zeigt den Weg bis zum bestätigten Termin. Ihr Angebot stellen Sie im Angebotskonfigurator zusammen. Das Testprojekt prüft an echten Terminen, was Ihre Zielgruppe hergibt. Den Umfang legen Sie im 15-Minuten-Gespräch fest. Ein Gespräch mit Jesse Klotz dauert 15 Minuten.
Vom Wissen zum Termin
Was kostet das in Ihrem Markt?
Der Preis richtet sich nach Zielmarkt, Erreichbarkeit und Terminmenge. Wenn das Gespräch sitzt, führen wir es für Sie. Das Testprojekt prüft an echten Terminen, was Ihre Zielgruppe hergibt. Den Umfang legen Sie im 15-Minuten-Gespräch fest.









